Fürchten auch Sie sich oft davor, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen? Ist Ihr Chef auch ein unberechenbarer Tyrann, der Ihnen das Leben im Job zur Hölle macht – egal wie Sie sich anstrengen?
Mobbing – effektiver als Kündigung
Unsere Gesellschaft wird immer leistungsorientierter. Und wer nach Meinung seines Vorgesetzten die geforderten Maßstäbe nicht erfüllt, wird entlassen und ersetzt. Wenn der unliebsame Arbeitnehmer aber aufgrund von Gesetzen und Tarifverträgen nicht so einfach auf die Straße gesetzt werden kann, greifen einige Chefs zu dem scheinbar einzig probaten Mittel: Mobbing.
Eine offizielle Statistik der IG Metallt spricht von rund einer Million gemobbter Arbeitnehmer. Die Dunkelziffer dürfte aber um einiges höher liegen, denn nicht jeder offenbart sich, wenn er am Arbeitsplatz tyrannisiert wird – oft aus Scham, teilweise auch, weil man es einfach verdrängen will.
Mobbing – was ist das?
Der Begriff kommt wie vieles aus dem Englischen und bedeutet in etwa, dass man andere Menschen wiederholt schikaniert, quält oder verletzt. Mobbing geschieht in vielen Lebensbereichen, leider auch an Schulen. Hauptsächlich kennt man es jedoch aus dem Arbeitsleben. Laut IG Metall mobben in 37 Prozent der Fälle die Vorgesetzten. Gelegentlich holen Sie sich noch andere Arbeitnehmer – sprich Ihre Kollegen – als Helfer ins Boot.
Mobbing kann sich auf vielfältige Weise äußern: Bei dem einen wird ständig die Arbeitsleistung kritisiert – gerechtfertigt oder nicht. Der andere bekommt Aufgaben zugeteilt, die jeglichen Sinn und Zweck entbehren. Man bekommt Aufgaben übertragen, die man nie im Leben bewältigen kann, die Arbeitszeiten werden in einem unerträglichen Maß verlängert oder verlagert. Sie werden in eine Filiale versetzt, die so weit von Ihrem Zuhause entfernt ist, dass Sie jeden Tag zwei Stunden und mehr an Fahrzeit zurücklegen müssen.
Für eine Vielzahl von Arbeitnehmern hat sich die Arbeit zu einem unzähmbaren Monster entwickelt. Anfangs hatte man vielleicht nur Alpträume, was der Chef wohl am nächsten Tag wieder an einem auszusetzen hat. Die Motivation, jeden Morgen aufzustehen und in die Firma zu fahren, sinkt immer weiter. Und irgendwann bekommt man regelrechte Panikattacken, wenn man auch nur an ein flüchtiges „Guten Morgen“ seines Chefs denkt. Spätestens jetzt muss sich der Arbeitnehmer eingestehen, dass er handeln muss.
Mobbing gefährdet Ihre Gesundheit
Die meisten scheuen sich davor, einen Arzt wegen Mobbings zu konsultieren. Sie haben Angst, als hysterisch beschimpft zu werden oder sich Paranoia vorwerfen zu lassen. Aber Mobbing ist längst keine Einbildung mehr, sondern sehr real. Auf eine subtile Art und Weise kann man es sogar als Körperverletzung bezeichnen. Immerhin wird mit Hilfe von Worten oder Taten die seelische Gesundheit eines Menschen angegriffen. Infolge treten auch körperliche Gebrechen auf.
Ignorieren Sie die Anzeichen nicht! Suchen Sie aber nicht nur Ihren Hausarzt auf, sondern nehmen Sie sich einen Psychologen. Ab einem gewissen Punkt ist es unerlässlich, dass Sie sich fachliche Hilfe holen. Zum einen dürfen Sie Ihre angegriffene Gesundheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die anfängliche Nervosität und Schlaflosigkeit ziehen sehr schnell wesentlich schlimmere Krankheitsbilder nach sich, auch Depressionen. Auch Suizide hat es wegen Mobbings gegeben.
Ich werde gemobbt – was kann ich tun?
Natürlich sollten Sie sich sicher sein, dass Sie tatsächlich gemobbt werden. Dazu müssen Sie regelmäßig von Ihren Chefs oder Kollegen gegängelt, beleidigt oder Ähnliches werden. Also, einmal anschreien gilt nicht.
Wenn Sie also wirklich der Auffassung sind, dass man Sie aus der Firma ekeln will, sollten Sie ein Mobbing-Tagebuch führen. Schreiben Sie auf, wer Sie wie und mit welcher – oft fadenscheinigen – Begründung verbal oder körperllich angegriffen hat. Dann sollten Sie sich um ärztliche Hilfe bemühen. Schämen Sie sich nicht, zu einem Psychologen zu gehen. Manchmal kann es heilsam sein, mit einem Außenstehenden zu reden. Vielleicht finden Sie in diesen Gesprächen auch die Kraft für den nächsten Schritt:
Sie können weiters eine Klage wegen Mobbings gegen Ihren Arbeitgeber einreichen. Und hierfür werden Sie die Aussagen Ihrer behandelnden Ärzte noch benötigen. Auch das Mobbing-Tagebuch wird Ihnen dann von Nutzen sein, um nachweisen zu können, dass Sie wirklich über Wochen und Monate unsäglich behandelt worden sind.
Sie denken jetzt sicher: "Klagen? Gegen meinen Chef? Hätte das Erfolg?" Einige Urteile dazu werden Sie sicher darin bestärken, etwas zu unternehmen. Ob es in Ihrem konkreten Fall Erfolg hätte, sollten Sie jedoch einen Anwalt beurteilen lassen. Sie müssen sich heutzutage auch von Ihren Vorgesetzten längst nicht mehr alles gefallen lassen. Wehren Sie sich – so früh wie möglich! Denken Sie an Ihre Gesundheit und daran, welche Folgen ein ungesundes Arbeitsverhältnis möglicherweise auch für Ihre Familie hat.
